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Koch: „Gerade angesichts der schwierigen weltpolitischen Lage muss die Wissenschaft gestärkt werden.“       

DHV fordert Prioritätensetzung zugunsten von Bildung und Wissenschaft              


Foto: BeAStarProduktions

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat an Bund und Länder appelliert, eine verlässliche und angemessene Hochschulfinanzierung sicherzustellen. „Wer den Wohlstand und die Innovationskraft unseres Landes sichern will, darf trotz sich eintrübender Konjunktur und vielfältiger innen- und außenpolitischer Herausforderungen bei Bildung und Wissenschaft und damit der Zukunft unseres Landes nicht sparen“, erklärte DHV-Präsident Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch anlässlich des 75. DHV-Tags in Berlin. „Um in Zeiten des Fachkräftemangels weiterhin die besten Köpfe für die Hochschulen zu gewinnen, müssen Spitzenwissenschaftlerinnen und Spitzenwissenschaftler verstärkt über „Tenure Track“-Modelle frühzeitig an ihre Einrichtungen gebunden werden. Auch der überfällige Ausbau anderer geeigneter Qualifikations- und Berufswege für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf und jenseits der Professur wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Wer eine zusehends heterogener werdende Studierendenschaft erfolgreich zum Studienabschluss geleiten oder künftigen Generationen beispielsweise den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Schlüsseltechnologien vermitteln will, kommt zudem um eine Verbesserung des derzeitigen Personalschlüssels von 59 Studierenden pro Professorin und Professor nicht umhin.“

Vor diesem Hintergrund müssten die politischen Verantwortlichen jetzt Mut und Weitsicht beweisen: Vorausgesetzt man sei sich weiterhin einig, dass Bildung und Wissenschaft zentrale öffentliche Aufgaben bleiben sollten, ließen sich die hier anstehenden großen Investitionen zum einen über Kürzungen in anderen Bereichen gegenfinanzieren. Zum anderen bestehe gerade angesichts der schwierigen weltpolitischen Lage die Möglichkeit, auch Ausgaben für Forschung und Lehre als Zukunftsinvestitionen von der Schuldenbremse auszunehmen. „Beide Optionen haben Vor- und Nachteile sowie Befürworter und Kritiker. Ihre Realisierung erfordert so oder so Mut und Standhaftigkeit, die sich jedoch längerfristig mehr als auszahlen werden. Jeder Euro, der in Bildung und Wissenschaft investiert wird, schafft einen vielfachen gesellschaftlichen Mehrwert – auch in Form höherer staatlicher Einnahmen“, betonte der DHV-Präsident. „Mit dem angedachten Infrastrukturpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro haben Bund und Länder bereits eine Weichenstellung vorgenommen, die – eine weitsichtige Ausgabenplanung vorausgesetzt – in die richtige Richtung weist.“ Es sei unabdingbar, dass davon auch Forschung und Lehre profitieren müssten. Wer den zusehends drängenden Sanierungs- und Investitionsstau an Deutschlands Hochschulen, der mittlerweile auf 75 bis 140 Milliarden Euro taxiert werde, auflösen wolle, müsse nicht nur mehr Finanzierungsverantwortung übernehmen, sondern dürfe darüber hinaus auch neue Wege nicht scheuen. Neben der Vereinfachung und Beschleunigung von Bauverfahren sollten verstärkt Kooperationen im Rahmen von Public Private Partnerships geprüft und ermöglicht werden.

Als richtig bezeichnete der DHV-Präsident auch die vom Wissenschaftsrat angeregte Neujustierung der Forschungsfinanzierung von Hochschulen. „Drittmittelprojekte, die in den letzten Jahren für die Forschungsfinanzierung an Bedeutung gewonnen haben, dürfen nicht zu Kostenfallen mutieren. Eine Ausweitung und Erhöhung der sogenannten Programmpauschalen auf bis zu 40 Prozent der direkten Projektkosten bis zum Ende des Jahrzehnts weist daher in die richtige Richtung – vorausgesetzt, dass dies nicht auf Kosten der Bewilligungsquoten geschieht.“ Planungen zur Projektfinanzierung sollten fortan zudem einen Teuerungsausgleich und Tarifsteigerungen berücksichtigen.

Die Einzelförderung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler will der DHV, gerade auch im Verhältnis zu anderen Förderlinien, ausgebaut wissen, damit Forschungen ohne inhaltliche Vorgaben vorangetrieben werden können. „Auch individueller Mut zum Risiko muss sich lohnen und belohnt werden“, erläuterte Koch. „Forschung darf nicht zu sehr durch Förderprogramme gesteuert werden, die Zeitströmungen unterliegen und zunehmend auf Nutzen und Anwendung ausgerichtet sind. So sehr auch solche Programme benötigt würden, so wenig dürfe Grundlagenforschung vernachlässigt werden, die sich konkreten Verwertungsinteressen entzieht.“